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Freizeit: Macht was draus - am besten mit Blumen!

6 Stunden 34 Minuten Freizeit pro Nase Eine aktuelle OECD-Studie zum Umfang und Nutzen der Freizeit hat ergeben, dass die Bundesbürger 6 Stunden und 34 Minuten am Tag zur freien Verfügung haben. Nur die Belgier gönnen sich noch 5 Minuten mehr. Was aber, so fragt man sich, treiben die Deutschen in dieser Zeit? 28 Prozent hängen vor der Glotze oder lassen sich vom Radio berieseln. Ansonsten geht der Deutsche gerne mit seinem Hund Gassi, spielt am Computer oder telefoniert.

Geselligkeit bleibt im internationalen Vergleich ein wenig auf der Strecke. Vier von 100 Minuten schenkt der Bundesbürger der Begegnung mit seinen Freunden. Das sind 7 Minuten weniger als der weltweite Durchschnitt. Es bleibt also noch reichlich Zeit, was Schönes zu machen: Mit Blumen z.B., denn die erfreuen nicht nur das eigene Herz, sondern ganz bestimmt auch die Herzen der Freunde, die so stiefmütterlich behandelt werden. Also beim nächsten Mal dran denken und ein paar Blumen zum 4-minütigen Blitztreffen mitbringen!

Tja und dann noch das: Die Studie hat auch herausgefunden, dass - welche Überraschung - in der Küche in der Regel die Frau steht. Sie ist es im übrigen auch, die die anderen Aufgaben im Haushalt erledigt, während Männe sich 20 Minuten mehr Freizeit heraus nimmt. Grund genug dafür, dass Frau sich ihr Wirkungsfeld mit Blumen verschönert. Die sehen nämlich in jedem Gefäß klasse aus. Und wäre es nicht auch fabelhaft, wenn er seinen Freizeitvorteil in einen Freuzeitvorteil verwandeln würde? Gassi gehen mit dem Hund, Einkehr beim Floristen und Rückkehr mit einem Blumenstrauß. Es kommt drauf an, was man draus macht.


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Deutsche sind Freizeit-Vize

Die Freizeitkönige sind die Belgier. Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) haben sie so viel Muße wie keine andere Industrienation. Gleich danach folgen jedoch die Deutschen: Im Schnitt haben die Bundesbürger sechs Stunden und 34 Minuten pro Tag frei zur Verfügung.

Die mit weitem Abstand geringste Freizeit haben die Mexikaner mit gut dreieinhalb Stunden. Im Schnitt bleiben den Bewohnern der untersuchten Länder fünf Stunden und 47 Minuten ohne Arbeit und Schlaf.

Aufschlussreich ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Völker ihre Zeit verbringen. Die Deutschen füllen 28 Prozent ihrer Freizeit mit Fernsehen und Radiohören. Im Schnitt aller 18 Länder sind es 36 Prozent, Mexikaner und Japaner verbringen sogar fast die Hälfte ihrer Freizeit vor dem Fernseher oder dem Radio.

In Deutschland entfällt der mit 46 Prozent größte Freizeitanteil auf eine Sammelkategorie, in der unter anderem Computer spielen, Telefonieren oder den Hund ausführen enthalten sind. Mit Freunden treffen sich die Deutschen dagegen nur in vier von 100 Minuten - sieben weniger als im Durchschnitt aller Länder. Die restliche Zeit entfällt auf Veranstaltungen (15 Prozent) und sportliche Aktivitäten (sieben Prozent).

Fürs Essen nehmen sich die Franzosen die meiste Zeit: mehr als zwei Stunden pro Tag. Bei den Mexikanern ist es nur eine gute Stunde, Deutschland liegt mit 105 Minuten im oberen Mittelfeld. Die Nachtruhe dauert in Frankreich fast neun Stunden, Koreaner und Japaner stehen eine volle Stunde früher auf. Die Deutschen rangieren mit acht Stunden und zehn Minuten im unteren Mittelfeld.

Die Differenz zwischen Frauen und Männern ist in Deutschland relativ klein, Männer verfügen über rund 20 Minuten mehr Freizeit am Tag. Italienischen Männern bleiben dagegen fast 80 Minuten mehr: Während die Frauen den Haushalt führen, sehen sie fern.

Die Studie ist laut OECD die erste ihrer Art. Sie basiert auf nationalen Erhebungen. Diese Einzelstudien liegen jedoch zum Teil weit auseinander. So wurden die Daten für Frankreich bereits 1998 erhoben, die Zahlen aus Deutschland stammen von 2002, jene für die Türkei aus dem Jahr 2006. Die Ergebnisse seien jedoch vergleichbar, sagte ein OECD-Sprecher. Berücksichtigt wurde die gesamte Bevölkerung ab 15 Jahren, inklusive Arbeitslosen und Rentnern.


AFP


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Angeln – das war einmal ein Hobby für Spießer

Während im Radio das erste Abstimmungsergebnis zur Initiative „Pro Reli“ in Berlin verlesen wurde, fuhr ich am vorletzten Wochenende über den Rügendamm bei Stralsund. Ich konnte die Angler kaum zählen, die entlang der riesigen Stahlbrücke standen oder mit ihren Booten vor der Silhouette der Stadt wie vor einer Filmkulisse ankerten. Es müssen Hunderte gewesen sein. Sie warteten auf die Heringsschwärme, die sich im Frühjahr der Küste nähern, und warfen ihre Paternoster-Angeln aus.

Allein das Erzählen derartiger Erlebnisse verdeutlicht mir immer wieder, dass Angeln zu jenen Dingen gehört, die mit dem Stigma der Spießigkeit und Provinzialität belegt sind. Tatsächlich kann man gerade jetzt, wenn die Schonzeit für Raubfische wie Hechte und Zander endet, selbst in den Städten wieder auf Angler treffen: an Brücken und viel befahrenen Straßen, im Schatten des Berliner Hauptbahnhofs oder vor der Glasfassade des Auswärtigen Amts. Inmitten einer architektonisch durchwirkten Welt stellen Menschen Fischen nach, als folgten sie einem verschlüsselten Lockruf der Natur.

Auf Fischwaid mit Tom Waits und Dennis Hopper

'Der Nationalspieler Miroslaw Klose hat einmal gesagt, er angle, „um runterzukommen“. Horst Hrubesch, ebenfalls Fußballer, hat sogar ein Buch über das Dorschangeln geschrieben. Und im Fernsehsender 3sat unterhält sich Kollege Frank Baumann in „Ein Fisch für 2“ mit DJ Bobo oder Jörg Kachelmann. Im Mittelpunkt der Sendung steht die Beschaulichkeit eines Dialogs, wie ihn die Zuschauer bestenfalls aus der Kultshow „Fishing with John“ des amerikanischen Jazz-Saxofonisten John Lurie kennen, der mit Tom Waits oder Dennis Hopper auf Fischwaid ging.

Angeln, das scheint den Fernsehmachern klar geworden, stillt die Sehnsucht nach Entschleunigung und Mußestunden, die schon dem Magazin „Landlust“ zu verblüffendem Erfolg verholfen hat.

Für mich gehörte es von jeher zur Faszination des Angelns, dass sich Ruhe und Anspannung bereits bei der Vorbereitung am Abend auf eigenartige Weise mischen. Morgens im Schilf angekommen, loteten mein Vater und ich mit einem Blei zunächst die Tiefe aus, bevor wir uns „Petri Heil!“ wünschten. Und dann begann das große Warten, das manchmal ohne eine einzige Regung bis zum Mittag dauerte.

Angeln hat zu tun mit Wissen und Verantwortung Angeln, heißt es, sei stinklangweilig. Dem liegt die Prämisse zugrunde, dass Aktivität und Fitness allein Glückseligkeit versprechen. Die Stunden am Wasser stehen im Widerspruch zum Mantra, alle Zeit möglichst effektiv zu nutzen. Angler tun das Gegenteil, und das allein zu ihrem Vergnügen. Was auch sonst nach geistiger Trägheit klingt, ist in Wirklichkeit eine professionelle Angelegenheit, die etwas mit Wissen und Verantwortung zu tun hat. Gerade deshalb ist der Erwerb eines Angelscheins im Verein keine Frage der Lebensart, sondern eine Notwendigkeit.

Knapp eine Million Deutsche sind in Vereinen organisiert, wobei Ost und West auch zwanzig Jahre nach Mauerfall noch nicht richtig zusammengefunden haben. In den alten Bundesländern dominiert der Verband Deutscher Sportfischer mit seinen Landesverbänden die Szene, im Osten ist es der DAV, der Deutsche Anglerverband.

Der Verein, idealer Nährboden für Männerbünde

Bis zur Wende war das auch mein Verband. Er gab ein wunderbares Schwarz-Weiß-Heft namens „Deutscher Angelsport“ heraus, in dem allerlei Kurioses zur Einheit von Anglern und Staat zu lesen war. Wer die Hefte heute zur Hand nimmt, kann auf den Fotos zum „Fisch des Jahres“ erkennen, wie die Wohnungen damals aussahen und was die Angler anhatten. Während es heute perfekte Bekleidung gibt, trugen die meisten Angler früher Alltagssachen. Ein Wort wie „Outdoor“, das in den letzten Jahren eine Lifestyle-Industrie entstehen ließ, die das Image der Funktionalität und Naturnähe vor sich herträgt, so ein Wort gab es noch nicht.

Nicht nur das Vereinsangeln ist dabei noch immer der ideale, weil wortarme Nährboden für Männerbünde. Wer sich die aktuellen Ausgaben der beiden großen Angelmagazine „Blinker“ und „Fisch und Fang“ ansieht, findet dieses Klischee bestätigt: Es gibt hier kein einziges Foto einer Anglerin. Der Frauenanteil in der Anglerschaft liegt im einstelligen Prozentbereich, was abseits aller kulturellen Erklärungsversuche schade ist. Wann immer ich mit Frauen angeln ging, waren diese auch erfolgreich.

Meine Hypothese ist, dass dies nicht nur an ihrer Geduld, sondern einem hohen Maß an Lern- und Anpassungsfähigkeit lag, mit der sie als potenzielle Außenseiter auftraten. Gelegenheitsangler sind zudem oft gelassener als Routiniers, weil sie weniger vom Angelerfolg beseelt sind.

Angler sprechen eine eigene Sprache

Genau wie Jäger oder Auto-Tuner haben sich auch Angler eine eigene Sprache geschaffen, es ist eher ein Jargon, dessen Begriffe für mich wie Erinnerungsspeicher sind. Der Begriff „Paternoster“ etwa umschreibt mehrere an einer Hauptschnur befestigte Haken, die ähnlich den Kabinen eines historischen Aufzugs übereinanderhängen. Schon als Kind angelte ich Heringe, wie ich es neulich auch am Rügendamm beobachtete.

Die meisten Angler bauen eine Beziehung zu ihren Geräten auf, die sie an frühere Angelerfolge erinnern. In einem Nostalgie-Fach meines Angelkastens befindet sich noch immer ein Tütchen mit goldenen Limerick-Haken. Daneben liegt eine Rolle Sehne der Marke „Leska soft“. Auf dem hellgrünen Etikett der Spule ist die Stärke verzeichnet, 0,35 mm, dazu der Hersteller, der VEB Chemiefaserwerk „Herbert Warnke“.

Kein Manufactum-Katalog kann den Zauber alter Dinge auch nur annähernd entfachen wie ein Blick in den Angelkasten.

In einer Zeit, in der das Phänomen des Klimawandels den meisten Menschen geläufiger ist als der Unterschied zwischen einem Karpfen und einer Schleie, ist Angeln zudem eine großartige Schule der Sinne. In den langen Augenblicken am Ufer schweift der Blick immer wieder über die Vegetation und einige am Boden flüchtende Maden. Man riecht den Morast, hört die Schreie der Blessrallen.

Später, gegen Abend hin, spürt man die aufsteigende Kälte in den Sachen. Man nippt an seinem Kaffeebecher und fragt sich, warum plötzlich Blasen aufsteigen oder die Wasseroberfläche in Bewegung kommt, obwohl es windstill ist. Angler, las ich einmal, sind Detektive, die alle verfügbaren Indizien zu einem Urteil verdichten. Bis das Flott dann wieder einmal zu wandern beginnt und man den Anschlag setzt – fast krank vor Ungeduld, was sich am anderen Ende der Schnur verbergen mag.

Andreas Möller, geboren 1974, ist Autor des Romans „Traumfang“ (Ullstein). Er schildert darin die Wendezeit in Mecklenburg aus der Perspektive eines jungen Anglers.

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